Elli im Flieger – mal ohne Garten

Jeder Mensch hat ja so seine Hobbys und in der Regel verbringen wir damit ja auch irre viel Zeit – wenn´s geht. Bei mir liegt ganz offensichtlich ein Gartenhobby vor und meine bessere Hälfte liebt das Angeln. Mein Sohn ist für´s malen zu begeistern und in der Familie haben wir auch eine Menge Leute die gerne kochen. Es gibt aber noch eine ganze Menge anderer Hobbys. Als ich am Montag auf Dienstreise war, musste ich nicht nur fast einen Tag ohne mein Hobby überleben, sondern habe auch ganz neue Arten von Hobbys und Zeitvertreiben kennengelernt…

Urban gardening kann jeder – es lebe die Kartoffel 4.0

…schon erstaunlich was manche Leute da so machen um sich die Zeit zu vertreiben – das zu beobachten ist irre lustig. Im Flieger bspw. saß schräg vor mir eine erwachsende Frau und war emsig mit Ihrem Handy beschäftigt. Sie machte hektische Bewegungen und starrte angestrengt auf ihr Display. Da ich eh nicht viel machen konnte und mir auch die Zeit vertreiben wollte, habe ich sie etwas beobachtet. Sie spielte ein Spiel, ähnlich wie Tetris. Nur statt Kästchen und Blöcken musste man eine Art digitale Kartoffeln einer Farbe in eine Gruppierung zusammenschieben. Als Zwischenaufgabe (wahrscheinlich um weiterzuspielen) musste sie sich immer wieder um diese Kartoffeln kümmern. Mal wollten sie gefüttert, mal gewaschen, mal gestreichelt werden.  Am häufigsten aber, musste die Frau die Kartoffeln waschen…ganze 45 Minuten ging der Flug und die Frau hat davon ca. 20 Minuten das Display gerubbelt, um eine digitale Kartoffel zu waschen….für mich irgendwie merkwürdig!

Zum Glück kam zwischendurch die Stewardess und hat mich von der hektischen Rubbellei abgelenkt.

Essen im Flieger ist Glückssache…

Ich freu mich wirklich immer sehr über die Damen und Herren die einen freundlich begrüßen und einen versuchen mit kleinen Snacks die Fliegerei schmackhaft zu machen, aber diese Woche…Naja! Bei Eurowings bekommt man ja nun eine handliche all-in-one Pappschachtel in die Hand gedrückt. Die Frage, was man denn trinken wolle, wird nicht mehr gestellt. Gut, denke ich, nimm die olle Box: „mit Käse bitte“…war meine Antwort auf die Frage, was meine Box beinhalten solle. Schwubs, in die Hand gedrückt und weiter gelaufen – Freundlichkeit kostet ja Zeit und Geld.

Die Zutatenliste auf dem Toast war sooooo lang, dass ich zweimal das Toast drehen musste, um wirklich alles lesen zu können. Käse war übrigens zu 2,5% auf dem Toast enthalten. Komisch, dass das dann noch Käsetoast heißt – zum Glück war die Dame vor mir scharf drauf und ich konnte gleich zu den Gummibärchen übergehen.

DIY geht auch über den Wolken

Auch das ist eine neue Erkenntnis, die ich vergangenen Woche im Flieger machen konnte. Nachdem ich jetzt nur die Gummibärchen hatte und mich mit dem Tschernobyl-Toast dann doch nicht von der wilden Rubbelei ablenken konnte, brauchte ich was Neues. Als ich mich umsah entdecke ich einen groß gewachsenen Mann, der Schwierigkeiten hatte, auf den kleinen, schmalen Sitzen im Flieger Platz zu finden. Sein Kopf ragte gut sichtbar über alle Rücklehnen hinaus und ich fand, dass ich nun ihn etwas beobachten konnte. Er las die meiste Zeit eine Zeitschrift – „selbst ist der Mann“. Ich hatte die Zeitschrift, auch wenn ich offenbar nicht die Zielgruppe bin, schon öfter gekauft und gelesen. Teilweise gibt es ganz gute Tipps. Beete aus Paletten basteln beispielsweise.

Der Mann schien aber eh ein kreatives Köpfchen zu sein. Die Socken waren in allen Regenbogenfarben geringelt, ein schickes Einstecktuch im Sakko und die Haare waren wohl auch ein DIY Projekt.  An den Seiten waren sie seeeeehr genau auf Kante geschnitten und absolut gleich lang auf beiden Seiten. Der Nacken war frisch ausrasiert und die Farbe hatte mittlerweile hier und da einen leichten grau Ton angenommen. Alles abgestimmt auf seinen Bart im Gesicht. Da der Mann am Hinterkopf nun aber schon weniger Haare hatte, als ihm lieb war, hat er sich vorne alles wachsen lassen und schnurr-stracks nach hinten gekämmt. Das Projekt wäre auch sicherlich gut gegangen und die Optik sicherlich in einem perfekten Zustand echt gut. Leider ist in Hamburg der Herbst eingekehrt und mit ihm der Herbstwind.

So ist das mit den DIY Projekten: Dauert ewig bis man sie angehen kann, funktionieren nur unter perfekten Bedingungen und wenn man sie trotzdem eiskalt durchzieht, ist das Ergebnis für einen selbst meist nicht so dolle.

Platz braucht der Mensch!!

Die Fliegerei an sich ist ja schon anstregend – aber das lange sitzen auf diesen Sesseln ist hart. Da kann man schon mal müde werden. Rund 30% der Leute haben am Morgen noch mal im Flieger geschlafen. Schlaf ist ja auch irre wichtig und wenn der Flieger schon um 6:30 Uhr geht, muss man Schlaf dort eben nachholen. War auch mein Plan! Allerdings hat der gute Mann neben mir Bäume gesägt und mir keine Möglichkeit dazu gelassen. Schnarchen ist ja eine Sache, aber wenn Leute dann auch noch ständig zu einem rüberkippen…. Mein Chef hat mich dabei beobachtet wie ich vergeblich versucht habe, den Mann wieder auf seinen Sitz zu bugsieren – als ich dann nach ein paar Versuchen ein lautest Grunzen erntete, war meine Laune dahin und die von meinem Chef auf dem Höhepunkt!

Aber egal ob Schnarchkopf an der Schulter, Sitzlehne in der Rippe oder Stewardess-Hintern im Gesicht, irgendwann ist auch ein solcher Tag vorbei und man kann sich wieder seinem eigenen Hobby zuwenden…

Danke lieber Garten, dass Du mein Hobby bist

Nachdem ich nun den frühen Morgen am Flughafen verbracht, den Vormittag im Auto und den halben Tag beim Kunden gesessen habe ging die Reise wieder nach Hamburg. Diesmal ganz ohne Merkwürdigkeiten. Am frühen Abend war ich endlich wieder zu Hause…ufff! Keine Frage ich liebe meinen Job und ich bin auch gern auf Dienstreise. Aber gerade zum Herbst versuche ich jeden freien, sonnigen Tag im Garten zu verbringen. Mittlerweile gibt es hier in Hamburg schon richtige Herbststürme und die Bäume sehen zu, dass Sie die Blätter färben und loswerden. Bald heißt es wieder „adieu lieber Sommer“ und rein in die Bude.

Daher genieße ich diese letzten warmen Tage immer sehr. Insbesondere nach einem anstrengenden Arbeitstag ist mir die Arbeit im Garten besonders willkommen. Der vergangene Montag war wirklich skurril und ich habe selten so sehr auf die anderen Menschen geachtet wie an diesem Tag. Als ich am Abend noch schnell in den Garten gehuscht bin um etwas für das Abendessen zu besorgen, habe ich noch viel an die Menschen aus dem Flieger gedacht. Ich bin froh, dass ich einen so schönen Ort habe, an dem ich ein Hobby ausleben kann, welches mich so unendlich glücklich macht.

Im Gegensatz zum Flughafen und zum Flieger habe ich hier irre viel Platz. Alles essbare schmeckt nicht nur, sondern kommt gänzlich ohne Etikett und Zusatzstoffe aus. Sogar die Kartoffeln kommen alleine zurecht und wollen nicht gerubbelt werden. Als ich das Gartentor abschließe, verwandelt der Wind noch mal meine Frisur in mein persönliches DIY-Projekt verwandelt. Ich bin ganz whmütig geworden. Bald schließe ich für dieses Jahr das Gartentor zum letzten Mal und sage auch meinen Nachbarn alles Gute für die kommenden Monate. Dann schläft der Garten und ich muss ohne ihn zurecht kommen – eine unglaublich laaaaaangweilige Zeit wartet da auf mich. Ich hoffe ich mache andere Sachen als die Menschen aus dem Flieger!

Danke lieber Garten, auch ohne Flieger bin ich mit Dir auf Wolke sieben! Hast ne Runde Kompost bei mir gut 😉

One thought on “Elli im Flieger – mal ohne Garten

Schreibe einen Kommentar zu Ingelore Sopart Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*